Ich bin da

05. Mai 2015

...wenn du mich brauchst.
Ich weiß, du sagtest, ich sei die Letzte, von der du Hilfe annehmen würdest.
Und dennoch erhaschst du meine Aufmerksamkeit durch unsinniges Verhalten.
Ich weiß, warum du das tust.
Insgeheim erhoffst du auf eine Reaktion meinerseits - in welcher Form auch immer. Reagiere auf mich! Nimm mich wahr; sieh mich an! Bitte, sieh mich an!
Du brauchst das; das weiß ich und es ist okay für mich.
Ich nehme all das hin, weil ich dich sehe. Es ist dir ein Rätsel, ich weiß.

Du sagtest, wenn ich da bin, geht es dir besser, auch wenn du mich keines Blickes würdigst, sollte ich einmal in deine Richtung schauen. Und dennoch verfolgst du mich mit deinen Blicken; jeden Schritt, den ich gehe, registrierst du.
Mir geht es genauso. Ich bin beruhigt, wenn du da bist. Weiß, dass in dieser kurzen Zeit nichts passieren kann und wenn doch - ich bin da.
Ich bin da, wo auch immer du bist.
Ich halte meine Hand schützend über dich und ich weiß, du tust das selbe mit mir;
auch wenn deine Hände zu Fäusten geballt sind, weiß ich, dass sie mich auffangen und sanft wiegen, wenn ich in Not bin. Egal, wie sehr es dich schmerzt, wenn du mich hältst. Du bist wahrlich ein Meister darin, Schmerz auszuhalten.

Mir fehlt dein Ich. Jenes, welches ehrlich und sanft ist, ohne Hintergedanken und ohne Manipulation.
Dieses Ich, welches mit offenen und dennoch traurigen Augen vor mir lehnt und sagen kann: Ich weiß nicht weiter. Jenes ich, welches meine Nähe erträgt.
Du suchst sie. Derzeit. Ich weiß, du bist wie Rauch... flüchtig und nicht greifbar. Spürbar mit allen Sinnen, aber niemals festzuhalten.
Unbändig suchst du nach Raum in dir, in dem du alles verstauen und verstecken möchtest.
Ich habe in diesen Raum gesehen und er ist voll. Er quillt aus allen Ecken und die Türe geht schwer zu. Zumindest für mich, egal wie sehr du dich dagegen stemmst.

1 Kommentar 27.8.15 20:55, kommentieren

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Frauen im Musikbusiness

13. Dezember 2014

Ich verstehe das Groupie-Dasein, aber darum geht es hier nicht. Nur ganz ganz GANZ bedingt vielleicht... ein kleines bisschen.

Also. Frauen und die Musik.
Seit über 10 Jahren spiele ich Instrumente und in den Jahren habe ich in diversen Bands gespielt.
Angefangen hat das mit... sagen wir mal ganz euphemistisch: Handgemachtem Poprock.
Das Seichte nervte mich zusehends und fortan spielte ich nur in Metalbands.
Eine Frau in Metalbands - ohoho, der Tittenbonus.

Tittenbonus am Arsch!

Als Frau hast du kaum Chance auf non-sexuelle Bewertung seitens anderer Musiker oder Zuschauer.
Mit Glück bist du hübsch anzuschauen und hey, am Bass hast du doch eh nicht viel zu tun und Know How braucht es da doch auch nicht bei all dem "EEEE, AAAA, DDDD, CCCC" - reicht doch! Hier Mädel, halt ma mein versifftes Handtuch, die Crowd erwartet mich!

Ich hatte als Frau immer das Problem, nicht als vollwertige Musikerin angesehen zu werden. Kolleginnen geht es ähnlich.
Kolleginnen, die eine unfassbar gute Technik an ihren Instrumenten vorführen und ein enormes Wissen im Bezug auf Musik und dem ganzen Business vorweisen können.
Woher kommt dieses herabwürdigen und nicht-ernstnehmen?
Ich gebe zu: Frauen sehen an einigen Instrumenten unpassend aus. Am Schlagzeug zum Beispiel.
Aber das allein sagt ja überhaupt nichts über ihre Fähigkeiten aus.
Ich erinnere mich, als ich mit meinen Bandkollegen (u.a. noch eine Frau) Equipment in den Proberaum schleppte.
Ein Proberaum, wie es die meisten Hamburger Bands kennen: Bunker, die man sich mit zig anderen Bands teilt.
An einer Tür lehnte einer dieser siffigen Altrocker und brüllte "Ja geil, Jungs. Eure eigenen Groupies zum Schleppen verdonnern - SO gehört sich das!"
Alter Schwede. Ich erlebe mich selten sprachlos, aber ich bin auch noch nie einem Neandertaler begegnet.

Neulich war ich mit einer befreundeten Band im Süden des Landes als Mercherin. Eine Hand wäscht die andere quasi.
Mittlerweile macht es mir Spaß, die Leute um mich herum zu testen, wenn mich ein Gefühl beschleicht.
Mich beschlich das Gefühl, dass die Jungs der anderen Bands mir diese Art von "Ach, ok... das wird die Ficke von irgendeinem der Jungs von Band XY sein." entgegenbrachten.
Ein paar dumme, nichts-sagende Sprüche, ein "wir sind einander nicht ebenbürtig; du bist die Kassen-Else, ICH bin Musiker!"-Blick, das Übliche.
Am Merchstand saß der Gitarrist besagter Band, für die ich den Verkauf schmiss und unterhielt sich mit dem Sänger einer anderen Band, die an dem Abend spielte, über die geringen Gig-Möglichkeiten und darüber, dass man ständig draufzahle, um überhaupt irgendwo spielen zu dürfen.

Bühne frei! Mein Auftritt! DAS ist genau mein Thema. Ein Thema, welches mich schon seit eh und je aufwirbelt.

Mit einem "Ihr seid aber auch mit dran schuld an dieser Situation." hatte ich die Aufmerksamkeit.
"Wieso? Wie meinstn das?" fragten sie mich mit großen Augen.
Ich erklärte ihnen meinen Standpunkt und sagte, dass ich dieses Problem mit meiner Band nicht habe aus diversen Gründen.
AHA! Sie spielt in einer Band! Ohhh! Und OH! Sie hat etwas zu sagen, was vllt. vorteilhaft für uns sein könnte!

Der Wandel in manchen Menschen lässt sich wie ein Kipp-Schalter beobachten.
"Wer bistn du schon?" - KIPP - "Oh, auch eine Musikerin. Das ist ja interessant! Komm ma' her, ich geb dir 'n Bier aus. Willst du 'ne Kippe?"

27.8.15 20:54, kommentieren