Ich liebe einen depressiven Menschen II

Irgendwann zeig ich dir das alles hier.
Alles, was ich je über dich geschrieben hab. Einen Teil kennst du bereits und ich erinnere mich noch genau an deine verblüffte Reaktion.
Du konntest es nicht fassen, dass ich dich so treffend einschätzen kann.
"Du hättest Psychologin werden sollen...", sagtest du kleinlaut.
Ich brauche das nicht. Kein Studium der Welt kann mir das vermitteln, was ich in dir lesen kann - zugegeben: Manchmal fällt es auch mir schwer, dich richtig zu deuten und manchmal bist du eben ein Buch mit sieben Siegeln, was viel Wärme braucht, um sich öffnen zu können.

Ich schätze, wenn du wüsstest, was ich am Abend tue, um mich dir nahe fühlen zu können, würdest du ungläubig mit dem Kopf schütteln und mir sagen, ich sei verrückt, obwohl auch du Dinge getan hast, die dich mir haben nahe fühlen lassen. Zu der Zeit war meine Musik alles, was du von mir hattest.
Kann nicht mehr zählen, wie oft ich mir das Video angeschaut hab, welches du mir schicktest. Das Video, wo deine kleine Schwester ihre Geburtstagsgeschenke auspackt und sich so sehr freut; ich muss jedes Mal vor lauter Mitfreude lachen.
Gerührt von deiner Art mit ihr umzugehen... du bist glücklich, wenn sie bei dir ist.
Ich liebe es, wenn ich dich glücklich sehen kann. Wenn ich dich ehrlich lachen höre. Du hast keine Ahnung, wie sehr und du wirst es dir auch nicht vorstellen können, denn in deiner Wahrnehmung kann niemand so vernarrt in dich sein.
Mit 27 Jahren fühle ich mich wie 14; ich habe nie so viel Zeit damit verbracht, mir Bilder und Videos von jemandem immer und immer wieder anzuschauen oder Sprachnachrichten im gefühlten 5 Minuten Takt wiederholt zu hören.
Das ist meine Musik von dir.
Mir fehlen die seltenen Momente, in denen wir uns ganz nah sind. Nur du und ich; der Rest der Welt kann warten und bis es wieder so weit ist, muss ich eben warten.
Warten, warten, warten... es zermürbt mich, aber mein Herz sagt, du bist es wert und ich habe sowieso keine Wahl.
Immer, wenn mein Verstand den Entschluss fasste, dich fallen zu lassen, habe ich nicht mehr schlafen, essen oder lachen können.
Ich habe keine Ahnung, ob das volle Zukunftsprogramm oder auch nur ein Teil davon überhaupt für uns vorgesehen ist, denn eigentlich sind wir beiden so unterschiedlich, wie es nur sein kann.
Du jedenfalls bist dir sicher, dass ich irgendwann mal die Mutter deiner Kinder sein werde.
Du zerschlägst mein "das Thema ist durch für mich" jedesmal energisch mit einem "das weißt du nicht".
Schräg, oder? Du kannst mir kein schöneres Kompliment machen. Vor allem nicht nach allem, was man dir angetan hat.
Und dennoch: Aufgrund unserer Situation, der Nähe und der gleichzeitigen Distanz ist deine Zuversicht in diesem Punkt schräg, aber bemerkenswert und außerordentlich schmeichelnd.
Wir werden es herausfinden. Irgendwann.

 

1 Kommentar 28.8.15 23:38, kommentieren

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Ich liebe einen depressiven Menschen

Ich habe meine Kippe nach 3 Zügen ausgemacht, weil meine Gedanken Purzelbäume gegen meine Schädeldecke schlagen und raus wollen.

Du weißt, ich schnippe sie sonst nie weg, ehe ich mit ihr fertig bin.
"Du rauchst eh zu viel" würdest du jetzt sagen und ich weiß: Das ist deine Art, mir zu sagen, dass du dich sorgst, auch wenn du das niemals zugeben würdest.

Du bist kein Mensch vieler Worte, auch wenn in deinem Kopf Roman für Roman geschrieben wird, ein Gedanke den anderen jagt und dich in die Tiefe zieht - sagen jedoch, was in deinem Innern vorgeht, fällt dir schwer und es bereitet dir größte Mühe, jemand anderem diesen Gefallen zu tun.
Mir tust du diesen Gefallen hin und wieder und ich spüre, dass du mir vertrauen willst, aber Angst hast.
Angst, etwas von dir preiszugeben, was man gegen dich verwenden könnte um dich zu verletzen und Angst davor, dass man dich für schwach hält.
Das ist deine Realität.
Meine Realität sieht anders aus.
Ich halte dich weder für schwach, noch würde ich dich jemals verletzen - ich möchte bei dir sein, wenn die Welt um dich zerbricht; deine Hand halten oder einfach nur neben dir sitzen und dir zeigen, dass du nicht allein bist.
Und wer könnte dich besser verstehen, als ich?
Ich, die den selben Scheiß durchmacht, wie du... immer wieder.
Ich kenne das Gefühl und ich kenne die Gedankenmuster, die uns wertlos erscheinen und uns für uns selbst schämen lassen.

Ich weiß, du möchtest nicht, dass ich mir solche Gedanken und Sorgen um dich mache und ich weiß, es fällt dir schwer, Hilfe anzunehmen. Auch das gehört zu diesen Gedankenmustern dazu: "Ich darf niemandem zur Last fallen."
Du wirst es nicht ändern können, dass ich mir Gedanken um dich mache, denn das ist MEINE Art, dir zu sagen, dass ich dich liebe.
Liebe auf den... sagen wir... zweiten Blick, auch wenn ich es bis vor ein paar Wochen/Monaten nicht wahr haben wollte.
Es war der 13. März. Knapp zwei Wochen, nachdem ich dort anfing.
Erinnerst du dich?

1 Kommentar 27.8.15 22:02, kommentieren